Solopreneurship und Content-Strategie - Content Strategy Rocks Staffel 2 Episode 01

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Steffi: Willkommen zur ersten Folge der zweiten Staffel von Content Strategy Rocks. Ich bin Steffi, eure Podcast-Hosterin, bekennende Content-Strategin mit einem leichten Hang zum Bauchladen-Business. Denn warum nur eine Sache machen, wenn man alle machen kann? Heute habe ich eine absolute Expertin für achtsames Marketing und nachhaltige Content-Strategien im Podcast, Anna Törner. Wenn ihr als SolopreneurInnen das Gefühl habt, im Content-Kosmos entweder unterzugehen oder euch ständig auf die nächste große Instagram-Welle zu stürzen, dann haltet kurz inne. Denn Anna zeigt uns heute, warum weniger oft mehr ist, wie man sich in gesättigten Märkten authentisch positioniert und warum die beste Strategie eben nicht auf Papier, sondern durch echtes Ausprobieren entsteht. Außerdem klären wir die dringende Frage, muss man wirklich jeden neuen Social Media Trend mitmachen oder darf man auch einfach mal gepflegt darüber hinweg scrollen. Also schnappt euch euren Kaffee, Tee oder das 10. Post-it mit eurer nächsten bahnbrechenden Business-Idee.

Steffi: Und lasst uns loslegen. Content Strategy Rocks! Das, was man bei dir ja überall auf Social Media, auf deiner Webseite ja auch immer liest. Das zieht sich auch wie ein schöner, richtiger Faden durch. So dein Herzensthema, würde ich ja fast sagen, ist das Thema achtsames Marketing. Und das wirbst du ja auch stark und kommunizierst du auch stark. Meine Frage ist dann aber tatsächlich, wie hast du diese Prinzipien, für die du ja auch stehst und einstehst, in deine eigene Tätigkeit als Solopreneurin integriert?

Anna Turner: Also ich finde es immer ganz wichtig, dass man am Anfang mal so ein bisschen den Begriff definiert oder sich auch ins Bewusstsein ruft, was das bedeutet, auch den Zusammenhang dann zu verstehen, wie das im Marketing oder auch in der Selbstständigkeit angewendet werden kann. Und für mich bedeutet Achtsamkeit, ein Bewusstsein dafür zu haben, was einen herum passiert. Und ich finde, wenn man Achtsamkeit so versteht, dann kann man das sehr gut in die Arbeit integrieren und auch ins Marketing integrieren, weil man idealerweise erstens darüber nachdenkt, was das eigene Marketing bei anderen anrichten kann oder was eben bei anderen passiert, wenn man jetzt seine eigenen Botschaften nach draußen gibt und was die dann eben auslösen können beim Gegenüber. Gleichzeitig finde ich es aber als Soloselbstständige auch superwichtig, dass man mit sich selber achtsam ist. Ich glaube, dass wir, gerade wenn man jetzt online auf Social Media sehr aktiv ist, dass man sehr schnell in so einen Strudel reinfällt, wo man sich mit anderen vergleicht. Und da diese Achtsamkeit zu haben, auch immer wieder zurück zu sich selber zu kommen und zu schauen, was sind meine Bedürfnisse, was sind meine Werte, wo möchte ich hin, was sind meine Ziele. Oder auch, was ist meine Lebensrealität? Also auch das gehört für mich zu achtsamem Marketing und achtsamer Businessführung oder achtsamer Selbstständigkeit. Zu verstehen, dass vielleicht meine Lebensrealität anders ist als die von anderen und ich auch nur die Ressourcen habe, die mir zur Verfügung stehen und vielleicht nicht ständig über meine Ressourcen gehe und nicht ständig über meine Kapazitäten gehe.

Anna Turner: Also das wären so diese zwei Felder, in denen ich versuche, halt Achtsamkeit in meiner eigenen Tätigkeit zu etablieren, indem ich mir eben Gedanken mache, wie kommt das, was ich nach außen gebe, bei anderen an und wie kann ich auch mir selber gegenüber achtsam sein?

Steffi: Ein spontaner Einfall, der mir auch zu diesem ganzen Thema, das ist auch so ein bisschen mit Manipulation hat das Ganze ja auch zu tun, also die Gegenbewegung dessen praktisch. Und jemand, der mir noch zu diesem Thema sehr stark einfällt, und sie hat sich damit ja auch sehr viel beschäftigt, ist Anne Häusler. Ich weiß nicht, ob du sie auch kennst. Und die regt sich auch immer wieder darüber auf, wenn sie zu salesige, sag ich jetzt mal, oder sehr manipulative Marketingaktivitäten sieht und beobachtet. Deswegen finde ich das auch ganz spannend, da auch jetzt mal langsam aber Sicherheit auch öfter diesen Gegentrend zu beobachten. Auch wenn ich jetzt den eher in der Kommunikation und im Ganzen, wie es sich halt gänzlich durchzieht, nur bei dir und eben auch Anne Häusler tatsächlich sehe. Oder siehst du das anders, die Beobachtung?

Anna Turner: Nein, genau das ist das, was ich meine. Dass gerade so in meiner Blase, in meiner Bubble, Leute, die mit Marketing und Business-Themen auf Social Media unterwegs sind, da gibt es sehr viele manipulative Taktiken, manipulative Botschaften. Da wird sehr viel Selbstbeweihräucherung, sage ich jetzt mal, betrieben und Selbstdarstellung. Im Prinzip stellen wir uns ja alle selber dar auf Social Media, das meine ich jetzt gar nicht damit, aber so dieses, schau wie erfolgreich ich bin, schau wie viel ich erreicht habe, deshalb musst du bei mir buchen. Das ist für mich auf jeden Fall das Gegenteil von achtsamem Marketing, weil man sich eben da wahrscheinlich wenig Gedanken darüber macht, wie das eben bei anderen ankommt und was das mit anderen tut. Und auch alle, die sich ein bisschen auskennen mit Marketingpsychologie, wissen, dass es viele psychologische Trigger gibt, die man anwenden kann. Und da ist halt mir immer wichtig zu hinterfragen, soll ich oder darf ich die auch anwenden? Also es geht vielleicht auch Hand in Hand mit ethischem Marketing. Also wo wird Das war nämlich ganz lange auch mein Problem, warum ich eigentlich gar nicht im Marketing landen wollte.

Anna Turner: Ich habe ja ursprünglich Lehramt studiert und unter anderem auch Psychologie, Philosophie, beziehungsweise ist da auch Ethik dabei in Österreich, weil es Ethik als eigenes Fach derzeit noch gar nicht gegeben hat. Also habe ich auch viel Ethik an der Uni gehabt und das war schon so ein Thema, wo ich dann damit gehadert habe, wo ich plötzlich so in diese Marketing-Schiene reingerutscht bin, dass für mich eigentlich mein ursprüngliches Verständnis von Marketing war immer, dass Marketing manipulativ und unethisch ist. Und genau, also Für mich geht achtsames und ethisches Marketing Hand in Hand. Ich finde den Begriff achtsam, aber in dem Zusammenhang ein bisschen, wie soll ich sagen, leichter zu verdauen, weil Ethik und ethisches Marketing schon sehr absolut ist. Ich weiß nicht, ob Marketing zu 100% ethisch sein kann. Diese Frage habe ich für mich selber noch nicht beantworten können. Deswegen verwende ich den Begriff jetzt nicht so gern, sondern bleibe eher beim achtsamen Marketing. Weil ich finde, man kann schon achtsam sein und sich eben ins Bewusstsein rufen, was das Ganze auslöst, aber es dann vielleicht am Ende trotzdem machen.

Anna Turner: Genau, ist vielleicht ein bisschen weniger absolut.

Steffi: Ist doch ganz gut. Welche spezifischen Herausforderungen siehst du für Content-Strategien in stark gesättigten Märkten und wie können sich Solopreneurinnen mit ihnen abheben?

Anna Turner: Also die ist eine super spannende Frage und für mich ist die größte Herausforderung in gesättigten Märkten, das ist eigentlich logisch, ist es mithalten zu können. Also wenn es schon sehr viele andere Leute gibt, die dasselbe machen, dann ist es meistens so, dass die schon sehr professionell auftreten. Also dass auch die, wenn man jetzt beim Content bleibt, beim Content Marketing bleibt, dass der Content unglaubliche Qualität mit sich bringt und auch in einer Quantität produziert wird, wo eine Solo-Selbstständige nicht mithalten kann. Also, ich glaube, ein großes Thema ist eben so dieses Mithalten-Können. Und wenn sich da jetzt in einer bestimmten Branche zum Beispiel schon ein Platzhirsch etabliert hat, da fällt mir zum Beispiel immer als erstes ein Laura Marlina Seiler. Weil ich habe viele Kundinnen, die so aus der Yoga und vielleicht spirituellen Branche kommen, die ein absoluter Platzhirsch ist. Oder in meiner Branche vielleicht Karoline Preuss, so im Online-Kurs im Instagram-Marketing. Das sind zwei sehr große Namen im deutschsprachigen Raum.

Anna Turner: Und bei denen kann man bei beiden beobachten, dass sich die Inhalte unglaublich professionalisiert haben. Die haben natürlich auch beide Teams oder vielleicht sogar Agenturen dahinter. Das weiß ich jetzt nicht, kann ich von außen nicht beurteilen. Bei einer davon weiß ich, dass sie ein mehrköpfiges Team im Hintergrund hat, das auch den Content produziert. Das heißt, die Herausforderung für Soloselbstständige, die jetzt zum Beispiel dieselben Themen ansprechen wollen, ist erstens einmal, wie kann ich da mithalten? Weil ihr nie den Content in der Qualität und Quantität produzieren könnt, weil ihr einfach nicht das Budget und die Ressourcen oder Fähigkeiten dazu habt. Und das bringt mich dann zum zweiten Punkt, und zwar ist es dann das Thema, wie kann ich mich abheben? Also wenn ich es nicht schaffe, so mitzuhalten, wie die das machen, oder die zu übertrumpfen, dann muss ich irgendwas anders machen. Also da muss ich mich irgendwie abheben. Und da kommen wir dann halt zum Punkt, was ist mein USP? Also was macht mich anders als die anderen? Was macht mich einzigartig? Und ich glaube, Das ist sicher in einem gesättigten Markt die größte Herausforderung, etwas zu finden, was einen abhebt, was einen besonders macht.

Anna Turner: Also bleib mal vielleicht noch kurz beispielhaft bei diesem spirituellen oder auch Yoga-Bereich, weil ich eben so viele Kundinnen in dem Bereich habe. Es gibt Yoga-Lehrerinnen wie Santa mehr, oder? Das heißt, wenn ich mich heute als Yoga-Lehrerin selbstständig machen will, zum Beispiel hier in Wien, dann muss ich mir irgendwas überlegen, was ich anders mache als die zig Yoga-Studios mich herum. Also sei das, dass ich mich jetzt auf ein konkretes Thema konzentriere und Kinder-Yoga anbiete oder Hot-Yoga oder was auch immer. Oder dass ich mir einen Ort suche, an dem es noch kein Studio gibt. Man nennt es dann seine Nische finden, aber gerade in einem gesättigten Markt, weil ich finde, das ist auch ein spannendes Thema, wo man lange diskutieren kann. Es muss nicht jeder super nischig unterwegs sein, wirklich nicht. Aber wenn der Markt schon stark gesättigt ist, dann wird es ohne Nische schwer, weil du dich eben nicht abheben kannst und wenn du die breite Masse ansprechen willst, einfach nicht die Kapazitäten dafür hast, die die anderen haben, die das schon seit Jahren machen und sich da etabliert haben im Markt.

Steffi: Du bedienst die Bedeutung von Authentizität in deiner Arbeit. Kannst du ein Beispiel geben, wie diese Authentizität zu einem messbaren Erfolg für eine deiner Kundinnen geführt hat?

Anna Turner: Mhm. Also, ich finde, gerade auf Social Media ist das leicht messbar, dass Authentizität wichtig ist. Wenn ich jetzt Instagram-Content analysiere von verschiedensten Kundinnen, dann erkennt man meistens anhand der Zahlen sofort, dass der persönliche Content Wir können auch noch mal über das Wort authentisch sprechen und das kurz definieren, weil das ein Buzzword ist. Aber ich sage mal, die persönlichen Geschichten, die aus dem Herzen kommen, wo etwas Persönliches, Authentisches rübergebracht wird, Das kommt immer besser an. Das zieht sich durch die Bank, durch verschiedene Branchen. Und natürlich geht es jetzt nicht nur darum, was jetzt am meisten Likes bekommt. Ich glaube, dass Authentizität, gerade als Soloselbstständige, auch extrem wichtig ist, langfristig glücklich zu sein mit dem, was man macht. Also nur wenn ich authentisch hinter dem stehen kann, was ich auch mache, also sowohl mein Content als auch meine Angebote, bin ich auch glücklich damit.

Anna Turner: Und Ich habe da ein Beispiel von einer Kundin, die auch im Social-Media-Bereich tätig ist. Ich möchte jetzt nicht sagen, wer das ist, aber die selbstständige Social-Media-Managerin ist. Und für sie war es zum Beispiel so, dass sie immer das Gefühl hat oder sich immer verglichen hat mit den Social Media Coaches auf Instagram und auch versucht hat, dasselbe zu machen, aber immer das Gefühl hatte, dass das halt überhaupt nicht ihr entspricht. Und wir haben dann gemeinsam einmal so ein bisschen ihre Geschichte aufarbeitet, ihre Positionierung ausgearbeitet und auch überlegt, woher kommt sie? Und sie kommt eigentlich aus dem Tourismus und lebt am Land und hat auch damals gesagt, sie würde am liebsten mit kleinen Betrieben arbeiten und gar nicht so irgendwie Online-Coaching oder sowas machen wie alle anderen, sondern Sie würde eigentlich gern die Betriebe am Land stärken. Und wir haben dann gemeinsam überlegt, wie sie erstens Content erstellen kann, der diese Botschaft vermittelt und zweitens Angebote sich überlegen kann, die genau auf diese Zielgruppe ausgerichtet sind. Und ich glaube, und jetzt, Also ohne dass jetzt, ich möchte es nicht in den Mund legen, aber mir kommt schon so vor von dem, was ich sehe, was sie jetzt macht, dass ihr das total viel Freude bereitet und auch super gut läuft für sie. Und ich glaube, das ist halt auch total wichtig. Da muss man eben, oder das ist auch ein Bereich, der in dem Authentizität wichtig ist.

Anna Turner: Also nicht nur nach außen hin, dass andere jetzt irgendwie, dass man glaubwürdig auftritt, sondern auch für sich selbst, dass man einfach, wenn man authentisch lebt, glaube ich, dann kann man zufrieden leben. Wenn man nicht authentisch lebt, dann weiß er nicht, ob man wirklich am Ende dann zufrieden sein wird mit seinem Leben.

Steffi: Kann ich auch von mir sagen, ich könnte nie, ich habe ja drei Standbeine, also mein Content Management, das ich für Kunden anbiete, meine Textarbeit und meine Sketchnotes-Graphic Recording Tätigkeit, das sind ja irgendwie drei Komponenten, Aber ich könnte auch nie sagen, okay, ich mache jetzt nur eine Sache, gehe total nischig auf ganz spezielle Unternehmen ein. So würde ich niemals ticken, weil ich einfach aus Agiturzeiten auch weiß, wenn ich nur eine bestimmte Sache mache, dann zwei Monate später werde ich mich zu Tode langweilen und mir wieder tausend andere Sachen überlegen. Und deswegen sage ich, okay, ich habe einen Bauchladen, ich liebe aber meinen Bauchladen. Und Das ist für mich dann so die Sache, wo ich sage, auf die Art und Weise kann ich am authentischsten sein, weil ich einfach die Möglichkeit habe, auch immer zwischen diesen drei Themen mal ein bisschen zu wechseln oder mal etwas schon länger zu thematisieren, weil mir das halt einfach mehr Spaß macht.

Anna Turner: Ja genau, das meine ich damit, dass man nicht jetzt, du könntest ja genauso, ich sage jetzt mal so businessstrategisch an das herangehen und auswerten, was ist am lukrativsten. Dann mache ich nur mehr das. Okay, das ist ja schön und gut. Aber die Frage ist, dann bist du dann mit dem glücklich.

Steffi: Nee, am Ende nicht. Und es ergeben sich dadurch auch immer wieder neue Ideen oder Möglichkeiten. Deswegen würde ich die Mischung gar nicht missen. So ein bisschen anlehnend an daran, woher du sozusagen kommst. Du hattest das ja schon erzählt. Du warst ursprünglich mal Lehrbeauftragte. Deswegen kommt das jetzt vielleicht, passt das auch ein bisschen gut dann dazu irgendwo rein. Als jemand, der den Sprung von einer traditionellen Karriere ins digitale Marketing geschafft hat.

Steffi: Welche ersten Schritte würdest du Solo-Premierinnen empfehlen, die ihre eigene Marke aufbauen wollen? Also die, was für die wirklich schade auch erst am Anfang stehen. Mhm.

Anna Turner: Ich find's extrem wichtig, dass man versteht, weil du ja gesagt hast, dass es darum geht, eine eigene Marke aufzubauen, nicht nur sich selbstständig zu machen, sondern zu Personal Brand zu werden. Ich finde es extrem wichtig, dass Leute verstehen, dass man eine Personal Brand nicht mit Stift und Papier ausarbeitet. Also das ist nicht etwas, wo man sich hinsetzt und sich dann aufschreibt, das bin ich, das möchte ich sein, funktioniert nicht. Sondern ich finde gerade in der Selbstständigkeit und deswegen liebe ich das auch so mit anderen Selbstständigen zu arbeiten, weil da sehr viel Persönlichkeitsentwicklung und Business-Strategie zusammenkommt und ich finde es gehört einfach extrem viel Ausprobieren dazu und extrem viel Selbstreflexion. Das heißt, wenn ich mich selbstständig mache, wenn ich ganz am Anfang bin, wenn ich online sichtbar werden will oder auch so als Personenmarke wahrgenommen werden möchte, dann darf ich am Anfang verschiedenste Dinge ausprobieren, zu sehen, was passt denn zu mir. Also vielleicht verschiedene Themenfelder. Natürlich hat jeder jetzt irgendwie vielleicht eine Ausbildung in einem Bereich oder so, wo man sagt, okay, bin jetzt eher im Bereich Grafikdesign oder eben bin eher in diesem Wellnessbereich. Das meine ich jetzt nicht mit Themenfeldern, dass man heute eine Website designt und morgen irgendwie ein Restaurant aufmacht, sondern dass man einfach sagt, so in diesem großen Bereich, zum Beispiel Webdesign, wo bewege ich mich da, in welche Richtung gehe, möchte ich eher mit nachhaltigen Unternehmen zusammenarbeiten oder vielleicht auch nicht.

Anna Turner: Und gerade am Anfang finde ich das schwierig, wenn man sich zu schnell auf etwas festlegt. Also, ich bleibe beim Beispiel von einer Webdesignerin, die sagt, sie möchte nur mit nachhaltigen Unternehmen zusammenarbeiten. Kriegst du am Anfang wirklich genug KundInnen, die alle nachhaltige Unternehmen sind, dass du auch davon leben kannst? Wahrscheinlich nicht. Das heißt, sich da zu schnell irgendwie auf etwas einzuschränken, finde ich gar nicht sinnvoll. Man darf am Anfang verschiedene Sachen ausprobieren und nach jedem Projekt reflektieren. Hat das zu mir gepasst? So lernt man, immer mehr zu sich zu kommen. Ich habe als stinknormale Social-Media-Managerin, die auch einen Bauchladen im Prinzip hatte und ganz viele verschiedene Kundinnen aus verschiedenen Bereichen abgedeckt hat und habe dann über die Jahre hinweg eben immer mehr gelernt, okay was passt zu mir, was passt nicht zu mir. Ich bin dann zum Beispiel immer mehr hingekommen zu dieser Zusammenarbeit mit Solo-Selbstständigen, weil ich einfach gemerkt habe, ich habe auch mit Großkonzernen, mit Start-ups, mit Agenturen, mit allen, mit Non-Profits, also mit allen verschiedenen Unternehmensformen zusammengearbeitet und habe dann einfach im Laufe der Zeit gemerkt, was zu mir passt und was mir am meisten Freude bereitet und wo ich auch meistens für die anderen erreichen kann.

Anna Turner: Und das hat sich einfach im Laufe von vier, fünf Jahren ergeben. Das heißt, ich glaube, am Anfang darf man da nicht zu verkopft drangehen an das Ganze und eben jetzt vielleicht irgendeinen Kurs machen, indem man jetzt seine eigene Positionierung und seine eigene Brand ausarbeitet und sich irgendwelche Farben aussuchen, weil die halt jetzt irgendwie auf Canva schön ausschauen oder so. Sondern das Ganze darf sich weiterentwickeln, weil, es war ja schon gesagt, dass gerade als Solo-Selbstständige ja die persönliche und die berufliche Ebene nie so komplett voneinander getrennt werden können. Also es fließt immer sehr viel von meiner Persönlichkeit in meine Arbeit rein, auch im Unternehmenskontext, aber da sind halt sehr viele Personen. Aber wenn man solo selbstständig ist, ist man halt nur diese eine Person. Das heißt, da ist schon sehr, sehr viel von mir und meiner Persönlichkeit auch mit drin. Und die Persönlichkeit verändert sich ja auch im Laufe der Jahre. Der Fokus verändert sich.

Anna Turner: Also ich bin zum Beispiel gerade Mama geworden und das Mama-Sein beeinflusst jetzt auch meine Personal Brand, weil einfach bestimmte Themen jetzt gerade wichtiger sind als andere. Für mich zum Beispiel das Strukturthema gerade extrem wichtig. Ich habe jetzt nicht mehr die Kapazitäten, so viel zu arbeiten wie vorher. Das heißt, ich muss meine Strukturen und meine Systeme in meinem Business so automatisieren und so hinbekommen, dass sie in der wenigen Zeit, die ich jetzt habe, trotzdem möglichst viel erreichen kann. Also Das ist jetzt ein großes Thema, das vorher zum Beispiel keines war. Und so darf sich halt die eigene Marke und das, mit dem man nach außen geht, auch immer weiterentwickeln, so wie man sich als Person weiterentwickelt. Also, das nochmal zusammenzufassen, als Antwort auf deine Frage, Welche ersten Schritte? Einfach Dinge ausprobieren und reflektieren und dann vielleicht schauen, hat es zu mir gepasst, hat es zu mir nicht gepasst und so findet man dann nach und nach den eigenen Weg und eben nicht zu verkopft drangehen an das Ganze.

Steffi: Ich glaube, das sollten sie sich ruhig mehr eine Scheibe davon abschneiden, dieses Learning by Doing einfach das Ganze vielleicht auch mal lockerer zu sehen, weil ich kenne halt eben auch einige junge, frische Soloprenörin, die sich da einfach viel zu viel den Kopf machen und dann am Anfang schon tausende Euro für eine Webseite die Programme, die du schon genannt hast, für Positionierung und was es da noch nicht alles gibt, eben auszugeben und stehen dann dann total schnieke da. Aber wenn du sie dann halt nach ein paar Monaten fragst, bist du damit eigentlich happy? Ist das wirklich, was du tust und was du machst? Und dann kommen da schon dann auch die ersten Zweifel. Deswegen sehe ich das dann auch eher, wie du zu sagen, probiere dich doch einfach erstmal, aussammle deine Erfahrungen und baue das dementsprechend langsam oder auch wieder achtsam auf. Ich glaube, das ist etwas, was...

Anna Turner: Ich glaube, das Problem sind auch so Leute wie ich, ehrlich gesagt, Die halt natürlich diesen strategischen Ansatz auch verfolgen und auch nach außen kommunizieren und dann vielleicht auch Leuten das Gefühl geben, wenn ich keine Strategie habe, und da Strategie arbeitet man dann trotzdem meistens mit Stift und Papier aus oder halt digital, Aber wenn ich keine Strategie habe, dann wird das alles nichts. Und da versuche ich immer so ein bisschen die Balance zu finden zwischen Strategie und trotzdem Spontanität und trotzdem das Ganze einmal laufen zu lassen. Weil ich glaube, dass viele auch das Wort Strategie falsch verstehen und glauben, Sie arbeiten da einmal was aus, dann führen sie das aus, und dann sind sie an ihrem Ziel. Und das ist halt keine Strategie, sondern die Strategie ist ja nur das, dass du einfach dir mal selbst den Raum nimmst, zu reflektieren, wo will ich überhaupt hin, und was ist meiner Meinung nach der beste Weg, dort hinzukommen. Und dann im Gehen erkennst du aber dann, ob das jetzt richtig war oder falsch war, und kannst es dann anpassen. Das meine ich auch mit am Anfang mal vielleicht weniger strategisieren und einfach mal ausprobieren. Aber dann halt, das, was ich wirklich am allerwichtigsten finde als Selbstständige, ist halt die Reflexion. Also immer zu schauen, und jetzt nicht nur Selbstreflexion im Sinne von, wie fühle ich mich damit, sondern auch datenbasiert.

Anna Turner: Wie kommt das alles an, was ich mache? Kriege ich damit die Kundinnen, die ich haben möchte? Wird mein Content gesehen? Was kann ich ändern daran? Das ist ja eigentlich der Teil der auch der strategischen Arbeit, der den Erfolg bringt und nicht so sehr das am Anfang hinsetzen und sich in Positionierung aufzuschreiben.

Steffi: Gucken wir mal, dass sich das ein paar Leute dann zu Herzen nehmen oder den Mut haben, es dann vielleicht doch einfach anders zu machen, als man ihm unbedingt immer vorlegt. Wie balancierst du die Notwendigkeit, innovativ zu sein, mit dem Druck ständig Inhalte zu liefern, besonders als Solopreneurin? Ich meine, das Paradebeispiel ist ja praktisch Instagram. Wie gefühlt. Es ändert sich ja ständig jede Woche etwas, sei es, dass am Algorithmus geschraubt wird oder dass es wieder irgendwelche Funktionen gibt, auf die man dann erst warten muss, weil es dann erst freigeschaltet wird. Rechts und links hast du dann schon Dutzend Leute geführt, die diese Funktion dann schon nutzen und damit dann zeigen, wie man das denn alles machen muss, damit man dann wieder die ach so schöne Reichweite bekommt. Wie hältst du die Balance? Ich persönlich stoße da auch immer wieder an meine Grenzen.

Anna Turner: Das wäre die Frage, wo ich eine Gegenfrage habe, die du jetzt schon ein bisschen erklärt hast. Und zwar muss man das? Muss man wirklich innovativ sein? Muss man diese ganzen neuen Sachen wirklich als Erste verwenden? Muss man jede neue Funktion nutzen? Bestes Beispiel, weil du gerade Instagram angesprochen hast, ist das Automatisierungstool ManyChat, das seit Monaten von allen, die im Instagram-Marketing aktiv sind, angepriesen wird. Und jeder muss jetzt alles automatisieren. Für diejenigen, die es vielleicht nicht kennen, die dazuhören, ManyChat ist im Prinzip das neue Link-Sticker. Das heißt, so wie früher alle dachten, sie müssten 10.000 Follower auf Instagram haben, damit sie endlich den Link-Sticker bekommen, glauben jetzt alle, sie müssen ihre Posts oder ihre Links so automatisieren, dass jetzt Leute nur mehr ein Wort unter dem Post kommentieren und den Link dann per Privatnachricht zugeschickt bekommen. Und das ist ja auch legitim, weil es ganz viele positive Seiten hat, dass Leute zum Beispiel einfach diese drei Klicks auf den Link im Profil nicht machen müssen. Es spart Zeit. Sie haben den Link dann in den DMs gespeichert und so.

Anna Turner: Das sind alles positive Faktoren oder Eigenschaften von dem Ganzen. Aber die Frage ist für mich dann immer, Wenn man in diesen Sog reinfällt, alle mich machen das jetzt, muss ich das jetzt auch machen, muss sie eben auch innovativ sein? Wie realistisch ist es, dass jetzt 40 Leute diesen Link von dir anfragen werden? Wenn das nicht 40 Leute anfragen, bringt das nichts, das zu automatisieren. Die Zeit, die du investierst, das zu automatisieren, könntest du einfach darin investieren, dass du der Person dann persönlich den Link per DM schickst. Das ist vielleicht nicht eine Sekunde später im Postfach, aber Sie kriegt ihn noch immer per Privatnachricht. Ich finde, dass da total wichtig ist, das habe ich am Anfang der ersten Frage schon angesprochen, dass man ein bisschen aufhört, sich zu vergleichen mit anderen, die viel, viel weiter sind, und auch reflektiert, Was ist denn für mich sinnvoll? Ist es für mich sinnvoll, da überall mitzumachen? Ist ManyChat gerade für mich, wo ich jetzt bin, sinnvoll? Wenn am Ende nur zwei Leute diesen Link von mir haben wollen, muss das automatisiert sein oder kann ich das manuell machen? Und Genauso mit den vielen Funktionen. Das ist jetzt nichts Neues, aber mittlerweile sind es schon vier Jahre her, dass Reels herausgekommen sind. So krass vier Jahre einfach. Aber auch wenn so neue Formate rauskommen, Threads ist ein aktuelleres Beispiel, Muss ich jetzt unbedingt auf Threads gehen und muss ich jetzt textbasierten Content machen, wenn ich bis jetzt immer nur Grafiken, Karussellposts gemacht habe? Muss ich damals jetzt plötzlich Reels filmen, wenn ich aber Grafikdesignerin bin und mir einfach besser ausdrücken kann in dem.

Anna Turner: Nein, muss ich nicht. Weil das Schöne an allgemein, jetzt nicht nur Instagram, sondern an Social Media allgemein, ist ja, dass wir diese vielen verschiedenen Formate zur Verfügung haben

Steffi: und

Anna Turner: uns das aussuchen können, was am besten zu uns passt. Und ich glaube, wenn das, was du aussagen willst, dass wenn die Botschaft wirklich gehört werden möchte, dann ist es egal, in welchem Format die präsentiert wird. Also Da geht es mehr den Inhalt als ums Format. Von dem her glaube ich, dass man sich diesen Druck überhaupt nicht machen muss, innovativ zu sein, gerade als Soloselbstständige. Das ist etwas, wo vielleicht große Unternehmen schon Druck haben, weil sie auch vielleicht Konkurrenz haben, die dann vorbricht und die zu diesen Early Adopters gehört, dass man vielleicht da schon ein bisschen mehr Druck hat, da auch dazu zu gehören. Aber gerade als Soloselbstständige, glaube ich, sind das so die Dinge, wo man sich dann in einen Teufelskreis begibt, wo man plötzlich nur mehr an Dingen arbeitet, die überhaupt nicht gewinnbringend sind und sich da vielleicht lieber drauf besinnt, okay, was liegt mir, was macht mir Spaß, was bereitet mir Freude und womit hole ich auch meine potenziellen KundInnen ab? Weil am Ende muss ja alles irgendwo auch lukrativ sein, damit sie auch rechtfertigen kann, dass sie Zeit damit verbringen. Also, na gar nichts, ich wollte einfach nur nochmal sagen, ich glaube, dass diese Notwendigkeit überhaupt nicht besteht.

Steffi: Ne, ich meine, aus diesem Grund händere ich ja auch gerne, oder ich liebe das Thema Recycling. Und Wie oft habe ich schon ältere Posts bei mir zum Beispiel auf Instagram einfach genommen, vielleicht ein bisschen die Grafik nur angepasst, die Caption auch und habe es dann veröffentlicht. Und damit bin ich, da sind wir dann wieder beim Thema, ist man selber damit zufrieden, in welchen Formaten will man arbeiten, bin ich einfach persönlich deutlich zufriedener als am Anfang, wo wir noch dieses ganze, als die Reel-Welle sozusagen vor ein paar Jahren war, da hatte ich mich dann mitreißen lassen und habe dann auch immer mal wieder Reels gemacht. Hab dann aber auch einfach festgestellt, ich bin vielleicht, also damals war ich einfach noch nicht so weit. Die Form Art und Form von Short-Form-Content hat sich nicht für mich gut angefühlt. Und ja, ich mein, mittlerweile bin ich grad dabei, einen Online-Kurs aufzunehmen. Da muss man mehr oder weniger auch mal vor die Kamera sein. Dementsprechend baue ich damit gerade auch irgendwo so meine Scheu vor der Kamera vielleicht auch ab.

Steffi: Das heißt, hey, vielleicht habe ich dann auch nächstes Jahr Lust, mehr auf das Thema Reels zu gehen. Aber ich merke dann halt auch einfach auch an meiner Zielgruppe selber, wie mögen auch meine stinknormalen, sag ich jetzt mal, Grafikposts auch. Oder wenn ich irgendwie in einem Karussell irgendwie ein kurzes Tutorial gebe oder was erkläre. Das funktioniert nach wie vor genauso gut, als wenn ich das jetzt irgendwie in einem Reel hopsend irgendwie darstellen würde. Oder sage, lies mehr Details zum Thema in der Caption.

Anna Turner: In der Caption.

Steffi: Das ist

Anna Turner: ja auch... Hast du diese Reels? Weil ich mir denke, das ist ja völlig sinnlos. Warum machst du ein Video, Leuten mitzuteilen, dass sie einen Text lesen sollen? Dann mach doch gleich Text.

Steffi: Genau, dementsprechend dachte ich mir dann, ich spare mir das Ganze und eben dann doch in ein Karussell.

Anna Turner: Genau, so ist es. Und ich glaube, wenn man schon lange genug auch im Marketingbereich unterwegs ist und sich auch so ein bisschen was anschaut, was andere, also gerade auch so Marketing-ExpertInnen von sich geben, dann weiß man schon, dass jetzt nicht jeder Trend irgendwo so wichtig ist, dass jeder darauf aufspringen muss. Das ist auch wieder so etwas, warum ich gerne mit Soloselbstständigen arbeite. Weil ich dann sagen kann, vergiss den Trend, das ist völlig egal. Weil, weißt eben zum Beispiel, als TikTok und Reels so groß geworden sind. Oder vor dem Video, das hat's ja davor auch schon gegeben. Aber mit TikTok war das noch mal eine neue Welle an auch unterhaltsamem Content. Aber als das so groß geworden ist, hat man überall gelesen, dass Video die Zukunft ist.

Anna Turner: Es wird alles nur mehr Video sein. Okay, jetzt kommt mit Threads eine komplett textbasierte App, die halt ein Twitter-Klon ist oder ein Ex-Klon ist, ist klar. Aber das ist nicht weggegangen. Blogs sind gerade ein Riesenthema in meiner Bubble. Plötzlich machen 2024 alle wieder Blogs, weil Leute lesen noch immer Texte. Dabei haben wir vor vier Jahren gesagt, Video ist die Zukunft. Das sind so Dinge, wo ich mir denke, lass sie alle reden, lass sie auf den Trend aufspringen, wenn sie das wollen. Solange die Ressourcen dafür da sind, ist ja auch nichts falsch dran, jetzt Videocontent zu produzieren.

Anna Turner: Aber gerade als Selbstständige darf man sich da nicht so verzetteln, indem man auf jeden Trend aufspringt, weil man eben diese Ressourcen nicht hat. Und da, glaube ich, ist es viel nachhaltiger, zu sagen, ich weiß, was mir liegt. Wie in deinem Fall, mir liegen Grafiken mehr, mir liegt es mehr zu schreiben oder ein audiobasiertes Format wie Podcasts. Gleichzeitig finde ich es schön, dass du sagst, ich möchte über meinen Schatten springen und aus meiner Komfortzone raus. Ich probiere das, das finde ich auch wichtig, dass man dem eine Chance gibt. Das kommt mal wieder zu dem, was ich vorher gesagt habe, mit dem Ausprobieren und Reflektieren. Wenn ich von vornherein sage, nein, das ist nichts für mich, dann versperre ich mir vielleicht auch eine Möglichkeit, damit erfolgreich zu sein. Woher soll ich wissen, ob mir das jetzt Spaß macht oder nicht? Also man kann es schon ausprobieren, aber ich finde es halt immer traurig, wenn das Ganze unter Druck passiert, weil man das Gefühl hat, ich muss jetzt, weil nur so kann ich erfolgreich werden.

Anna Turner: Das ist auch diese Art von unethischer und unachtsamer Kommunikation, von der ich schon sehr viel leider auch sehe. Online, aber man muss gar nichts. Also man kann das schon alles so gestalten, dass es zu einem selbst und seinen Stärken und seinen Bedürfnissen passt. Und ich glaube, da sind eben soziale Netzwerke der perfekte Ort dafür, weil sie eben so eine Riesenbandbreite an Möglichkeiten anbieten, wie man jetzt sichtbar werden kann.

Steffi: Auf deiner Webseite und deinem Buch ausgebucht, schreibst du, dass du eine nachhaltige Marketingstrategie bevorzugst. Wie schlägt sich das in deinen täglichen Arbeitsprozessen und Entscheidungen als Solopreneurin nieder?

Anna Turner: Super Frage. Also das fängt, das zieht sich eigentlich durch die Bank, durch mein gesamtes Business. Also es fängt an mit der Gestaltung meiner

Steffi: Angebote. Gerade

Anna Turner: bin ich wieder so dabei, mir neue Angebote nach meiner Mama-Pause zu überlegen. Und war da in einem Prozess zum Beispiel, dass ich schon eher in Richtung vielleicht digitale Produkte gehen wollte, weil sie halt einfach skalierbar sind. Und hab dann aber zum Beispiel wieder reflektiert, ist das dann auch wirklich nachhaltig zum Beispiel? Also das sind immer so Fragen, wie soll ich sagen, Ich verstehe unter Nachhaltigkeit eigentlich, dass man langfristig denkt. Also jetzt Nachhaltigkeit im Business-Kontext gar nicht so sehr auf diese Umweltfreundlichkeit, weil das mit meiner Arbeit jetzt wenig zu tun hat, sondern wirklich auf dieses langfristige Denken, auf langfristige Ziele, sich langfristig etwas aufbauen. Und da ist es eben zum Beispiel so bei meinen Angeboten, dass ich versuche, wirklich Angebote zu gestalten, die ich möglichst lange nutzen kann, die möglichst lange ankommen, von denen ich möglichst lange was habe. Und jetzt nicht den einen Online-Kurs rauszubringen, mit dem ich heute halt XY Umsatz machen kann, aber dann die nächsten zwölf Monate halt gar nichts. Und gerade dieser Drang, den ich habe, mein eigenes Business und auch das von anderen nachhaltig aufzubauen, das kommt daher, dass ich einige Zeit in den USA gelebt habe und da auch ganz intensiv für jemanden gearbeitet habe, wo genau das Gegenteil passiert ist. Also da ist das Unternehmen exponentiell gewachsen und es war nur mehr Chaos.

Anna Turner: Und im Endeffekt, dann am Ende ist es irgendwo nach diesem anfänglichen exponentiellen Wachstum, es ist aber irgendwo hat es ein Plateau gegeben und da ist es stehen geblieben, weil halt die ganzen Systeme und Strukturen nicht so schnell aufgebaut werden haben können, dass sie mit diesem Wachstum mithalten können. Und wo dann das Plateau erreicht war, ist plötzlich alles zusammengebrochen. Und das war so eine prägende Erfahrung für mich, dass ich jetzt irgendwie total den Drang verspüre, das anders zu machen und eben langsam zu wachsen und nachhaltig und immer zu überlegen, okay, Wenn ich jetzt irgendwo was investiere oder wenn ich irgendwas rausbringe oder auch wie ich meinen Alltag und meinen Content gestalte, was bringt mir das langfristig? Zahlt das langfristig auf Ziele ein und nicht nur auf 10.000 Euro Umsatz nächsten Monat oder so, das als Beispiel zu nennen. Also Nachhaltigkeit ist für mich schon etwas, was sich eigentlich durchzieht durchs ganze Business und ja auch durchs Marketing. Hoffentlich.

Steffi: Würde ich doch jetzt mal als Außenbetrachterin sagen, wo das denn jetzt schimpfen kann, zu funktionieren.

Anna Turner: Das wäre das Ziel, ja. Aber das ist auch so ein bisschen das, was ich halt versuche, anderen mitzugeben als Botschaft, dass man eben langfristig denkt und dass man sich nicht so, kennst du diesen Begriff, shiny object syndrome, also dass man nicht so immer den shiny objects nachläuft und dann immer einem neuen shiny object, weil es kommen ja immer, das haben wir vorher auch schon ein bisschen besprochen, es kommen immer neue Trends jetzt, nicht nur im Marketing, sondern auch was Angebote betrifft, gerade also wenn der Podcast rauskommt, ist das vielleicht auch schon wieder vorbei, aber jetzt gerade zum Zeitpunkt der Aufnahme ist cool, so ein Riesenthema und das ist auch so etwas, wo ich finde, wenn man jetzt eine nachhaltige Businessstrategie verfolgt, dann würde man nicht sofort eine School Community aufmachen, nur weil es andere aufmachen, sondern sich fragen, wie wirkt sich so eine School Community langfristig auf mein Business aus? Kann ich damit meine Ziele erreichen oder nicht? Passt das in meine restliche Angebotspalette oder nicht? Ist das überhaupt lukrativ für mich oder nicht? Das sind alles Fragen, die man sich vorher stellen sollte, damit wirklich langfristig erfolgreich zu werden. Weil meistens ist es bei solchen Hype- und Trendthemen so, dass so schnell, wie sie aufkommen, so schnell gehen sie dann wieder. Und für die zwei Prozent, die damit erfolgreich sind, funktioniert das super gut, aber für die restlichen 98 halt leider nicht. Und Das ist für mich keine nachhaltige Selbstständigkeit, sondern nachhaltig ist meine Selbstständigkeit, wenn ich, so wie in meinem Fall, jetzt seit acht Jahren davon leben kann und hoffentlich noch die nächsten 30 oder 40 Jahre davon leben kann. Und das ist mein Ziel, dass ich Leute eben eine Selbstständigkeit aufbauen kann, mit der sie halt vielleicht nicht über Nacht zur Millionärin werden, aber dafür die nächsten 30, 40 Jahre Spaß an der Arbeit haben und vielleicht auch gut damit verdienen.

Steffi: Dazu sollte man auch dein Buch einmal gelesen haben. So ein bisschen Werbung müssen wir ja auch mal machen. Deswegen, ich verlinke das auch in

Anna Turner: Sozial Eingebaut.

Steffi: Deswegen, ich verlinke den Link zum Buch auch mal in die Shownotes. Da könnt ihr euch das einfach mal selber angucken und überlegen, ob euch das den Kauf wert ist oder nicht. Aber spannend ist es auf jeden Fall. Ich hab's ja selbst gelesen und rezentriert. Ein anderes Thema, wo ich auch immer ein riesen Fan bin, sind Content Audits und Daten. Deswegen bin ich jetzt auch besonders gespannt, wie du auf diese Frage beantworten wirst. Welche Rolle spielen Daten und Feedback von Kundinnen in deinem kreativen Prozess? Und wie integrierst du diese Erkenntnisse in deiner Arbeit?

Anna Turner: Eine riesige, riesige, riesige Rolle. Also alles, was ich mache, ist Daten- oder Feedback-basiert. Und zwar fängt es bei mir so an, dass ich eigentlich meine Angebote immer im Vorfeld in meinem Content teste. Also sprich, dass ich zum Beispiel Content zu einem Thema mache, das ich gerade spannend finde, wie jetzt vielleicht Positionierung oder Customer Journey oder was auch immer. Also so kleine Teilbereiche von Marketing und Marketingstrategie teste ich im Content und schaue mir dann an, wie kommt das an. Und wenn das gut ankommt, also nicht nur jetzt quantitativ, also wenn das Leute liken oder so, sondern wirklich auch, was ist das Feedback, das schreiben Leute, haben die Fragen dazu, was wollen die alles wissen zu diesem Thema, dann mache ich daraus ein bezahltes Angebot zum Beispiel. Also das ist eine Art, wie ich Feedback einarbeite. Und dann mache ich wirklich für jedes einzelne meiner Angebote oder für jedes einzelne Kundenprojekt frage ich danach nach Feedback.

Anna Turner: Ich finde das extrem wichtig und es ist vielleicht auch etwas, was man Selbstständigen, die am Anfang stehen, mitgeben könnte. Immer, immer, immer, immer nach Feedback fragen und damit meine gar nicht diese Rezensionen, die man dann öffentlich teilt, das ist für mich was anderes, sondern wirklich ehrliches Feedback. Was würdest du besser machen? Was hat dir gefehlt? Was könnte ich anders machen? Weil das gibt dir dann Aufschluss darüber, wie du deine Angebote so weiterentwickeln kannst, dass die halt wirklich sich im Prinzip von selber verkaufen. Also es finde ich extrem wichtig, dass man auch dieses qualitative Feedback dann einarbeitet. Und ich glaube, da haben vielleicht Leute, die am Anfang stehen, oder zumindest bei mir war es so, dass ich am Anfang ein bisschen Angst davor gehabt habe, mir Feedback einzuholen, weil ich halt das Gefühl gehabt habe, okay, was, wenn die das jetzt völlig zerreißen und die das ganz schrecklich gefunden haben, Passiert jetzt in 90 Prozent der Fällen nicht, aber auch wenn es jetzt vielleicht passiert, dann darf man daraus vielleicht trotzdem irgendwie den einen Punkt finden, wo man was für sich mitnehmen kann. Also ich finde Jetzt gerade auf Social Media kriegt man manchmal auch unbefragtes Feedback auf persönlicher Ebene. Das kann man ignorieren, weil darum geht es nicht. Aber konstruktives Feedback zum Thema oder zum Angebot oder der Zusammenarbeit finde ich extrem wichtig, weil man ja nur so wachsen kann.

Anna Turner: Und das heißt, Also Feedback zieht sich wirklich durch die Bank bei mir. Ich teste auch jedes Angebot, bevor ich es veröffentliche, mit mindestens zwei Personen. Ich habe auch das Buch Test lesen lassen zum Beispiel und mir Feedback eingeholt, weil es mir so wichtig war, die Perspektive von anderen mit einzuarbeiten. Weil man ist ja selber dann so oft in einem Tunnel und denkt sich, das ist jetzt das Beste, was es gibt, was sie gerade machen, dann am Ende interessiert es aber niemanden oder kommt gar nicht so rüber, wie man das eigentlich rüberbringen wollte. Das heißt, Feedback finde ich extrem wichtig und Daten, also einen datenbasierten Ansatz versuche ich auch so gut es geht zu verfolgen. Da finde ich es halt die Schwierigkeit für Solo-Selbstständige, dass man meistens einfach die Daten nicht zur Verfügung hat, weil man die Programme sich nicht leisten kann oder nicht nutzen kann. Aber so im Kleinen würde ich mal sagen, jetzt gerade auf Social Media oder auch jetzt, was die eigenen Angebote betrifft oder so die wichtigsten Business-Can-Zahlen, das finde ich schon sehr wichtig. Also wenn man jetzt zum Beispiel ein Angebot selber bewirbt auf Instagram oder wo auch immer, dass man sich dann anschaut, okay, Was war denn meine Conversion-Rate zum Beispiel für das? Also wie viele Leute haben das dann am Ende gekauft? Das wäre sowas, was schon...

Anna Turner: Und das dann vergleicht, damit man auch schauen kann, okay, jetzt zum Beispiel in Kampagne 1 habe ich das gemacht, in Kampagne 2 habe ich das gemacht, was hat besser funktioniert? Oder wenn man Werbeanzeigen schaltet, dass man so A-B-Tests macht. Und dieses so auf einem kleinen Level kann man das trotzdem ganz gut umsetzen als Solo-Selbstständige, wo man jetzt nicht in irgendwelche krassen Tools investieren muss, die mehrere hundert Euro im Monat kosten. Aber da möchte ich auch dazu sagen, dass ich es trotzdem wichtig finde, dass man nicht zu sehr, also nur noch auf das schaut. Gerade auf Social Media sind wir verleitet dazu, dass wir uns nur mehr die Zahlen anschauen. Wie oft wurde das geliked? Wie viele Views hat das? Und dann vielleicht auch wieder in dieses Vergleichen reinkommen, okay, wieso hat dieses Reel mehr Views als das andere, dann mache ich nur mehr dieses Reel. Also nur mehr Reels in der Variante. Bestes Beispiel der Trend gerade mit 1-Sekunden-Reels. Logisch, 1-Sekunden-Reels kriegen mehr Views als längere Reels, weil halt die Leute die dreimal anschauen, bis sie erst verstehen, dass sie jetzt dasselbe Reel dreimal gesehen haben.

Anna Turner: Aber nachhaltig oder achtsam ist das Ganze nicht, weil von ein Sekunden Reels werde ich mir keine Selbstständigkeit aufbauen können, weil das ist vielleicht wieder ein Trend, aber da werde ich niemanden irgendwie von mir überzeugen können in so kurzer Zeit. Das heißt, ich finde es auch super wichtig, dass man parallel zu dem, dass man seine eigenen Daten auswertet, auch immer sich daran erinnert, dass bestimmte Sachen nicht gemessen werden können. Also den Einfluss, den du auf Leute hast, die Beziehung, die du aufbaust. Ich habe zum Beispiel in meiner Instagram Community das so aufgebaut in den letzten Jahren, dass ich wirklich sehr, sehr viel persönlichen Kontakt mit Leuten habe. Jetzt gerade bin ich ein bisschen schlechter im Zurückschreiben, weil ich einfach die Zeit nicht mehr habe mit meinem Baby. Aber ich bin sehr viel im Austausch und ich kriege sehr viel persönliches Feedback. Ich merke, dass da einfach wirklich emotional bei Leuten was passiert, bei dem Content, den ich teile. Und das ist etwas, was genauso wichtig ist wie jetzt die harten Zahlen und Fakten.

Anna Turner: Wir müssen uns auch immer daran erinnern, dass man nicht alles messen kann. Das finde ich genauso wichtig.

Steffi: Welchen Rat würdest du jemandem geben, der versucht, als Solopreneurin im Bereich Content Marketing Fuß zu fassen, aber Schwierigkeiten hat, ihr erstes oder sein erstes großes Projekt zu sichern?

Anna Turner: Also da gibt es so zwei Ansätze, glaube ich, wenn man eben Schwierigkeit hat, jetzt Kundinnen zu bekommen oder ein großes Projekt zu bekommen. Das erste ist einmal, dass man das, was man verkaufen möchte, selbst anwendet. Also sprich, gerade wenn ich mich im Content Marketing auskenne, dann darf ich doch auch Content Marketing für mich selber betreiben. Die Schwierigkeit dabei ist natürlich, dass Content Marketing etwas ist, was eben auch eher langfristig funktioniert oder auch lange braucht, bis es funktioniert. Das heißt, wenn ich jetzt mich gerade erst selbstständig mache, dann ist es das Wichtigste, dass ich Geld verdiene. Das ist so. Das heißt, vielleicht wäre dann doch der bessere Ansatz ganz am Anfang, dass man wirklich versucht, im eigenen Umfeld oder wo auch immer, mal an den ersten Kunden oder die erste Kundin zu kommen, vielleicht am Netzwerk beitritt oder so ein bisschen eben Networking betreibt. Weil das sind meistens die Wege, wie man schneller erste Kundinnen und erste Projekte bekommt, als jetzt selber viel Content zu teilen.

Anna Turner: Das Ganze aber vielleicht parallel macht, damit man sich dann eben nach diesen ersten ein, zwei, drei Projekten, die man dann auch präsentiert, vielleicht im Portfolio auf der Website, auf Instagram oder auf LinkedIn oder wo auch immer. Aber ich glaube, dass man gerade am Anfang auch vielleicht so die, ich sage jetzt mal, eher traditionelleren oder vielleicht sogar eher oldschool Methoden dann doch ganz gut funktionieren. Also meine allerersten Aufträge, gut, Bei mir war es vielleicht ein bisschen anders. Mein allererster Auftrag als Selbstständige war für eine Marke, mit der ich vorher als Influencerin zusammengearbeitet habe. Also war ein bisschen anders. Aber die ersten Aufträge, die nicht über diese Influencer- Connections zusammengekommen sind, waren tatsächlich über eine Jobplattform online. Also auch das finde ich völlig legitim, zu schauen, wo ich Jobangebote finde, wo etwas gebraucht wird. Also dass man vielleicht wirklich

Steffi: so ein bisschen seine Fühler ausstreckt

Anna Turner: und auch im privaten Umfeld mal herumfragt. Und das ist auch so ein Thema, wo ich finde, dass ganz viele sagen, ja, man muss am Anfang schon den selben Stundensatz haben wie, was weiß ich, jemand, der schon fünf Jahre arbeitet, weil sonst verkaufst du dich unter deinem Wert. Finde ich am Anfang auch schwierig, weil du musst zuerst mal ein Portfolio aufbauen. Du musst erst mal auch schauen, in die Arbeit reinzufinden. Ich finde es auch völlig okay, wenn man vielleicht einmal Pro-Bono-Projekte am Anfang macht, sich ein Portfolio aufzubauen. Vielleicht gibt es Non-Profits, die irgendwie Unterstützung suchen. Das habe ich in Arizona zum Beispiel gemacht. Als ich in die USA gezogen bin, war ich eigentlich schon Vollzeit-selbstständig.

Anna Turner: Aber ich glaube, es waren insgesamt neun Monate, wenn ich mich jetzt enttäusche, auf meine Arbeitsgenehmigung gewartet. Das heißt, ich bin von komplett ausgebuchter Selbstständigkeit wieder auf null gegangen, weil ich halt alle Kundinnen abgeben habe müssen, weil ohne Arbeitsgenehmigung haben wir nicht arbeiten dürfen. Und ich habe dann dort einfach pro bono für Non-Profit Instagram gemacht und habe dann erstens Arbeit gehabt und wieder was für mein Portfolio hernehmen können. Also das wären alles Möglichkeiten, vielleicht wie man mal schnell zu einem Kunden kommt. Und dann eben, wenn man jetzt langfristiger denkt, natürlich, dass man das, was man kann, für sich selber anwendet. Also wenn du jetzt vielleicht gut im Schreiben bist, dann starte einen Blog. Oder wenn du gerne Videos machst, dann geh auf TikTok und Instagram. Oder LinkedIn ist natürlich auch eine super Plattform, da vielleicht in Diskussionen teilzunehmen zu bestimmten Themen, die dich begeistern.

Anna Turner: Also, glaubst du, diese Kombi aus, wie kriege ich jetzt einmal schnell mein erstes Geld und dann, wie schaue ich, dass ich langfristig regelmäßig einnahme. Das ist, glaube ich, ganz ein guter erster Schritt oder zweiter oder dritter.

Steffi: Vor allem bei der Stundensache musste ich gerade grinsen, weil das, was ich jetzt als Stundensatz verlange, ist natürlich etwas ganz anderes, was ich auch in meinen Anfängen sozusagen gefordert habe, bzw. Auch getraut habe, überhaupt sozusagen festzulegen. Da war es tatsächlich auch so, dass ich das Feedback bekommen habe, du, Steffi, das ist viel zu günstig, du musst mehr verlangen. Also berechne mir bitte das und das. Also das kann auch der Umkehrschluss sein, wenn man das Glück hat, auch mit richtig netten Leuten zu arbeiten. Das ist ja leider auch nicht immer so, dass das dann durchaus auch als Feedback kommen kann nach dem Motto, verkauf dich doch nicht so unter den Werten. Ja,

Anna Turner: Aber das ist doch best case Szenario, oder? Wenn der Kunde sagt, hey, was du mir gerade geliefert hast, ist mehr wert als das, was du mir verrechnet hast. Ich zahle dir gerne so und so viel dafür. Ich glaube gerade, weil wenn man am Anfang vielleicht auch noch nicht dieses Selbstbewusstsein hat, das dann auch zu verkaufen. Also das sehe ich schon auch bei meinen Kundinnen teilweise, die am Anfang stehen, dass die total Angst haben, zu verkaufen. Und ich glaube, es ist leichter, wenn man etwas verkauft, was vielleicht ein bisschen günstiger ist. Ich weiß, da kann man schon lange diskutieren. Also ich möchte das jetzt auch nicht so absolut sagen, so verkauf dich unter deinem Wert. Das meine ich nicht damit, sondern ich finde es auch extrem wichtig, zum Beispiel, dass man seine Angebote so gestaltet, dass sie halt also auch zu dem passen, wo man gerade steht.

Anna Turner: Also zum Beispiel, was ich damit meine ist, wenn du jetzt gerade am Anfang bist und du willst vielleicht, bist jetzt ebenso wie ich vielleicht gerade Mama und hast nicht so viel Zeit und glaubst jetzt, dass wenn du einen Online-Kurs machst, du mit dem super viel Geld verdienen wirst und diese passive Einkommen, von denen alle reden, ich glaube halt nicht, dass das am Anfang sinnvoll ist und dass man den dann auch selbstbewusst verkaufen kann, weil halt der ganze Aufbauprozess vorher fehlt. Also ich glaube, es ist sicher leichter am Anfang mal eine Dienstleistung zu verkaufen. Wenn ich jetzt dran denke, vor acht Jahren, als ich mich selbstständig gemacht habe, da habe ich einfach Social-Media-Content für Leute gemacht und Texte für Leute geschrieben. Das hat super gepasst zu dem Zeitpunkt, auch für einen Stundensatz, den ich heute nie mehr dafür verlangen würde. Viel zu günstig, aber war halt am Anfang so, weil ich ja auch nicht aus dem Bereich gekommen bin, sondern eben über meinen Reiseblog so reingerutscht bin und da habe ich mich nicht sicher und selbstbewusst gefühlt, mit der 20 da jetzt irgendwie 120 Euro die Stunde für irgendwas zu verlangen, weil das wäre viel zu viel für mich gewesen und da hat auch die Arbeit hätte auch nie diese Qualität gehabt. Also ich finde es schon wichtig, dass man auch immer wieder reflektiert, wo stehe ich gerade Und wenn man sich jetzt mit anderen vergleicht, wo stehen die vielleicht? Also eben zum Beispiel heute mein Stundensatz für Strategiearbeit ist halt ganz anderer, als der am Anfang für Content Creation war. Ja, also genau, das sind so Themen, wo man, wo es sich auch auszahlt, so ein bisschen auszuprobieren und das Schöne, gerade auch bei Stundensätzen und bei Angeboten, ist ja das, dass man das mit jedem neuen Kunden und mit jedem Projekt wieder anpassen kann. Das heißt, wenn man sich beim letzten Kunden vielleicht doch ein bisschen zu günstig verkauft hat, weil man gemerkt hat, also zum Beispiel in meinem Bereich habe ich sehr viel mit Paketen und Pauschalpreisen dann gemacht.

Anna Turner: Social Media Managerin, das war dann irgendwann immer nur nach Stunden. Und dann ist es schon vorkommen, dass ich bei bestimmten Projekten einen Pauschalpreis vorher ausgemacht habe und dann die investierten Stunden ziemlich viel drüber waren, das habe ich dann beim nächsten Mal anpassen können. Zum Beispiel. So lernt man dann halt auch, was funktioniert. Und teilweise bin ich dann sogar wieder zurück zu den Stundensätzen gegangen, weil ich merkte, das geht gar nicht so gut mit Pauschalpreisen. Also das sind alles so Themen, glaube ich, wo es sich lohnt, am Anfang, wie ich das vorher gesagt habe, gar nicht so viel mit Stift und Papier auszuarbeiten, sondern wirklich einfach mal auszuprobieren. Das Schlimmste, was passieren kann, ist, dass man mal drei, vier, fünf Stunden vielleicht umsonst gearbeitet hat, okay, ist so. Das gehört auch dazu, wenn man sich ja Selbstständigkeit aufbaut, wenn man sich gerade verrechnet hat und beim nächsten Mal weiß man es dann zum Beispiel besser.

Anna Turner: Also ja, dass man da vielleicht ein bisschen spielerisch an die ganze Sache herangeht, Das ist immer so mein Ansatz. Ich finde, dass die ganze Selbstständigkeit so eine große Spielwiese ist, in der man sich austoben darf, Dinge ausprobieren kann und dann fällt man manchmal hin, gehört auch dazu im Spielplatz, tut sich hoffentlich nicht zu fest weh und dann steht man wieder auf und macht weiter.

Steffi: Einfach weniger alles tot ernst nehmen, sondern durchaus aus sich trauen Spaß an der eigenen Selbstständigkeit zu haben. Das ist doch ein schönes Schlusswort.

Anna Turner: Ja, danke dir.

Steffi: Und das war's für heute. Vielen Dank an Anna Turner für diese erfrischend ehrliche Perspektive aufs Holoponorship, Contentstrategie und die Kunst sein Business nachhaltig statt nur hektisch aufzubauen. Falls ihr jetzt denkt, okay ich muss meine Contentstrategie nochmal überdenken oder überhaupt erstmal eine haben, dann seid ihr nicht allein. Aber keine Sorge, fangt einfach an, experimentiert, werft alte Ideen über Bord und vor allem vergleicht euch nicht mit Großkonzernen oder Content-Maschinen mit Teams von 20 Leuten im Hintergrund. Vergesst nicht, den Podcast zu abonnieren, damit ihr keine Folge verpasst. Und wenn ihr Fragen, Feedback oder einfach einen digitalen High 5 da lassen wollt, schreibt mir. Ich freue mich immer über eure Nachrichten. Also bleibt strategisch, bleibt entspannt und rockt euer Business ohne euch zu verbiegen.

Steffi: Bis zum nächsten Mal. Content Strategy Rocks!

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