Nachhaltigkeit und Content Strategie mit Birgit Gündisch Engelmann - Content Strategy Rocks Staffel 2 Episode 08
Shownotes
LinkedIn Profil von Birgit Gündisch: https://www.linkedin.com/in/birgit-g%C3%BCndisch/
Das Unternehmensprofil auf LinkedIn: https://www.linkedin.com/company/birgit-g%C3%BCndisch-ganzheitliches-online-marketing/
Website von Birgit Gündisch: https://birgit-guendisch.de/
Arbeit von Birgit Gündisch: Development of a strategy for digital content sustainability for ICP : a case study - https://epub.fh-joanneum.at/obvfhjhs/content/titleinfo/9789890
How to Calculate the Carbon Footprint of Digital Content (Part 1: Website): https://content-strategy-explained.com/carbon-footprint-of-website/
How to Calculate the Carbon Footprint of Digital Content (Part 2: Video): https://content-strategy-explained.com/video-content-carbon-footprint/
How to Calculate the Carbon Footprint of Digital Content (Part 3: Email): https://app.podigee.com/podcasts/74232/episodes/2210435/general
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Steffi: Willkommen zu einer neuen Folge von Content Strategy Rocks. Ich bin Steffi, eure Podcast Hosterin, immer noch auf der Reise zur co neutralen Content Kriegerin und zu E Mail Anhang Minimalistin in Ausbildung. Heute wird es nachhaltig und zwar nicht nur auf Papier, sondern auch digital. Ich habe nämlich Birgit Gündisch zu Gast, die nicht nur Content Strategin ist, sondern sich auch intensiv mit ökologischer Nachhaltigkeit im digitalen Raum beschäftigt. Und damit meine ich nicht nur das Recycling alter Blogartikel, sondern echten Impact auf Co Emissionen, sondern Ballast und strategische Prozesse. Wir sprechen darüber, warum Text manchmal besser ist als Video, was ChatGPT mit Flow Kreisen zu tun hat, mehr als euch lieb ist und wie Unternehmen ihre Content Prozesse umweltfreundlicher gestalten können, ohne gleich das ganze CMS in den Wald zu werfen. Also Kaffee, Tee oder Leitungswasser geschnappt und los geht's mit einer Folge voller inspirierender Tipps, Tools und nachhaltiger Denkanstöße. Content Strategy Rock.
Steffi: Wie hast du das Thema Content Strategie und Nachhaltigkeit überhaupt für dich entdeckt?
Birgit Gündisch: Ja, ich war schon länger eigentlich auf der Suche nach Möglichkeiten, wie ich mit dem, was ich so an Fähigkeiten schon mitbringe, eigentlich mehr Impact erzielen und mich eben mehr für Nachhaltigkeit einsetzen kann. Und dann bin ich irgendwo auf LinkedIn, glaube ich, zum ersten Mal überhaupt über den Gedanken gestoßen, dass unsere Aktivitäten, die wir im digitalen Raum täglich tun und durchführen, auch physische Auswirkungen haben und eben auch physische Ressourcen verbrauchen. Und darüber hatte ich mir eigentlich bis dato halt noch gar keine Gedanken gemacht so richtig. Und dann fand ich es halt spannend, wenn man dann weiterschaut, liest man dann schnell, dass eben sogar das Internet mehr Co-Emissionen verursacht als der Flugverkehr. Und das hat mich irgendwie schockiert. Und dann habe ich mir Gedanken darüber okay, was kann ich denn dafür tun? Da ist die KI Nutzung, die wir eben derzeit erleben, noch gar nicht mit eingerechnet. Und dann habe ich im Rahmen meines Content Strategiestudiums für vor circa zwei Jahren das Thema ökologische Nachhaltigkeit in Content Strategien eben ganz gezielt aufgegriffen und mich damit beschäftigt. Dann habe ich im Rahmen meines Content Strategiestudiums vor zwei Jahren eben mit einer Agentur eine Roadmap to Content Sustainability zusammen erstellt und habe mich eben so mit dem Thema ökologische Nachhaltigkeit im Bereich Content quasi näher auseinandergesetzt.
Steffi: Was bedeutet Nachhaltigkeit im Kontext von Content Strategie für dich? Du hast es ja schon ein bisschen angerissen, aber vielleicht können wir das noch ein bisschen vertiefen.
Birgit Gündisch: Also grundlegend betrachte ich hier den ökologischen Pfeiler von Nachhaltigkeit bei digitalen Inhalten und lege dabei sogar den Fokus mehr oder weniger nur auf den Co Fußabdruck von Content Prozessen und Datenübertragung. Ich meine, der ist deutlich besser erforscht als zum Beispiel der Wasser oder der Landverbrauch davon, wobei man das natürlich auch nicht außer Acht lassen sollte. Und im Kontext von Content Strategie sehe ich die Umwelt und ihre Bedürfnisse quasi als einen weiteren Stakeholder. Also wenn man sich so ein Venn Diagramm vorstellt mit so drei Kreisen, wo Content Strategie bisher die Aufgabe hatte, die Überschneidungspunkte zwischen Unternehmenszielen auf der einen und Kunden oder Nutzerbedürfnissen auf der anderen Seite zu erfüllen, da bringt für mich die ökologische Nachhaltigkeit noch diesen dritten Kreis quasi mit, den dritten Kreis der Umweltbedürfnisse. Und für mich ist daher eine nachhaltige digitale Content Strategie dort angesiedelt. Also gerade in diesen Überschneidungspunkt, wo sich Unternehmenskunden und Umweltbedürfnisse treffen in der Mitte.
Steffi: Wo siehst du die größten Herausforderungen bei der Umsetzung nachhaltiger Content Strategien?
Birgit Gündisch: Also ich glaube grundlegend ist es halt so, dass Nachhaltigkeit im digitalen Bereich überhaupt erstmal so ein bisschen nice to have ist, weil sich halt niemand damit wirklich auseinandersetzen muss, so aufgrund von Regularien beispielsweise. Daher ist es mehr so ein Randthema, würde ich behaupten. Wobei eben wie auch in meinem Fall, bevor ich mich damit auseinandergesetzt habe, eher so komplett das Bewusstsein oftmals dafür fehlt, dass es überhaupt eben diese Auswirkungen, diese physischen gibt von der Internetnutzung. Und das ist, glaube ich, so ein bisschen auch der erste Schritt, dass man dieses Bewusstsein überhaupt erst erzeugen muss in den Menschen und sich dann erst Gedanken darüber machen kann, okay, was kann ich denn eigentlich tun dafür, um jetzt meine Internetnutzung, sei es im privaten oder im beruflichen Kontext und deren Auswirkungen quasi reduzieren kann. Genau, also da beginnt es aus meiner Sicht auch schon eben bei der Strategie und bei der Content Erstellung, wo man in der Regel halt grundlegend erst überlegt, also aufgrund der Trends natürlich auch, also wo kann ich mehr Video Content zum Beispiel einbinden, Wie kann ich mehr KI gezielter noch nutzen für unsere Inhaltserstellung beispielsweise? Und ja, da fehlt halt wie gesagt erstmal dieses Bewusstsein und da folgt man dann halt eher so diesen diesen Trends. Und wenn man dann überhaupt dieses Bewusstsein geschaffen hat, dann glaube ich, fehlt halt oft die Bereitschaft, die bestehenden Prozesse auch zu ändern und anzupassen. Ich meine, klar, das kennen wir alle. Alles, was irgendwie mit Change Management zu tun hat, wo wir uns verändern müssen in dem, wie wir es bisher getan haben, das fällt uns erst mal schwer.
Birgit Gündisch: Und davon wegzukommen, ist glaube ich, so dann auch der zweite Schritt, sofern man eben ein Bewusstsein dafür hat.
Steffi: An die dritte Frage gleich mal angeknüpft. Ich kenne dich ja persönlich daher, dass ich Think Content damals gelesen hatte und mir dachte so, boah Mensch, das ist ja eigentlich so offensichtlich. Warum hat eigentlich früher niemand schon dran gedacht, das Thema Nachhaltigkeit und Content Strategie zu verknüpfen? Weil unabhängig jetzt von deiner Arbeit natürlich auch und von Think Content selber, gibt es noch etwas oder gibt es vielleicht Personen, denen man die Content Strategen oder auch Content Marketer folgen können, um da auch ein bisschen weitere Inspiration zu erhalten?
Birgit Gündisch: Also wenn man sich ein bisschen näher damit beschäftigt, dann findet man durchaus einige Personen auch, die da auch oder auch schon länger, sage ich mal, in dem Bereich unterwegs sind und sich dafür einsetzen. Ein paar Beispiele und jetzt muss ich kurz spickeln. Zum Beispiel habe ich die dann auch entweder in der Arbeit interviewt oder hab deren Bücher gelesen teilweise oder deren Publikationen, egal ob es Bücher waren oder was anderes. Zum Beispiel Alisa Bonsignore, die hat auch zuletzt ein Buch rausgebracht, dessen Namen ich jetzt gerade nicht parat habe, aber das lohnt sich auf jeden Fall reinzuschauen und ihr eben auch auf LinkedIn beispielsweise zu folgen. Oder ganz groß mit dabei ist auch Jerry McGovern, der hat Worldwide Waste geschrieben unter anderem. Und da wird eben das Thema digitale Nachhaltigkeit oder auch generell eben digitale Emissionen ganz stark aufgegriffen und ich finde es auch total spannend, ihm zu folgen. Er postet dann immer so kleine Wissenshäppchen, sage ich mal, zu dem Thema und gerade auch viel im Bereich KI und der Ressourcenverbrauch von KI und prangert halt das so ein bisschen dann dementsprechend auch zu Recht natürlich irgendwo an. Wen haben wir noch? Tom Greenwood mit Sustainable Web Design beispielsweise, um dann mehr in die Richtung zu gehen.
Birgit Gündisch: Und dann gibt es auch die Sustainable Web Guidelines, angelehnt an die Accessibility Guidelines beispielsweise. Die sind jetzt auch relativ neu, sage ich mal, rausgekommen, also müsste vielleicht anderthalb Jahre her sein oder so, dass es die gab. Und das sind so ein paar Menschen, ein paar Quellen, mit denen man sich da auseinandersetzen kann in dem Bereich. Aber da gibt es, also kann man mich sonst auch gerne anfragen, da kann ich dann gerne auch noch mehr Inspiration für nennen.
Steffi: Die genannten Links, Quellen und Inspirationen erwähne ich dann natürlich auch wie immer in den Shownotes, nur damit ihr schon mal Bescheid wisst. Gibt es konkrete Tools oder Metriken, um den Co Fußabdruck von Online Content zu messen?
Birgit Gündisch: Grundlegend ist es nur eine Schätzung jeweils, weil man sich der Emissionen eben nur annähern kann, beispielsweise für Websites gibt es da allerdings schon einige Tools auch, wo man einfach dann seine URL reinhauen kann und dann zumindest mal so grob eine Idee bekommt. Das können Tools wie zum Beispiel Digital Beacon sein oder auch der Website Carbon Calculator eben von Tom Greenwood, den ich vorhin schon genannt hatte. Allerdings, und das habe ich letztens tatsächlich durch Thorsten Beyer, eine weitere Person im Bereich digitale Nachhaltigkeit, der es sich zu folgen lohnt, gelernt, dass dort immer scheinbar nur bis zum Cookie Banner gemessen wird, das heißt nicht die komplette Seite im Prinzip und wie viele Missionen dadurch durch das Laden dieser Seite eigentlich verursacht werden. Demnach, weil die eben auch alle unterschiedliche Messmethoden anwenden, ist das immer wirklich, wie gesagt, nur so eine erste klitzekleine Einschätzung. Genau, was kann man noch machen? Man kann eben zum Beispiel natürlich seine E Mail Größe selber so ein bisschen rauslesen, gucken, okay, wie kann ich die vielleicht kleiner halten? Also da sind ja teilweise Animationen in der E Mail Signatur drin oder sowas. Und da kann man mal vergleichen, was passiert, wenn ich diese weglasse, die Signatur, versus was passiert eigentlich, wenn ich die mitschicke. Und ansonsten gibt es halt eigentlich mehr Formeln als Tools für den Rest, quasi in Anführungsstrichen von digitaler Nachhaltigkeit. Für die Messung gibt es, wie gesagt, verschiedene Ansätze.
Birgit Gündisch: Und ganz grundlegend ist es eigentlich so, dass man eben die Dateigröße, die man eben überträgt, auf welche Art auch immer, mit dem Faktor der Energieintensität, also wie viel Kilowattstunden pro Gigabyte eben verwendet werden und das jeweils dann mit dem Co Faktor je Kilowattstunde multipliziert. Das mal so als Grundformel dafür.
Steffi: Da raucht mir jetzt schon der Kopf, wenn ich daran denke, wie groß meine Anhänge manchmal bei meinen E Mails sind. Oh mein Gott, ich glaube, das muss ich optimieren.
Birgit Gündisch: Da kann man tatsächlich schön viel dagegen tun.
Steffi: Gibt es denn ein Tool oder eine Metrik, die du persönlich besonders gerne nutzt von allen denen, die du jetzt genannt hast?
Birgit Gündisch: Naja, also eine Metrik jetzt weniger, bzw. Was ich halt verwende, ist diese Formel, die ich ganz grundlegend genannt habe. Und das lässt sich dann eigentlich auf jede Art von Content grob übertragen. Aber es gibt dann noch detailliertere Forschung in den verschiedenen Bereichen. Also zum Beispiel, dass man dann auch geschaut hat, was bewirkt es eigentlich, die Kamera auszuschalten bei Video Calls zum Beispiel und wie viel Unterschied macht das alles so? Und da gibt es dann speziellere Forschung noch mal zu so einzelnen Themen im Bereich Datenübertragung.
Steffi: Gut zu wissen, man lernt nie aus. Ich lerne gerade jede Menge dazu, das freut mich. Welche digitalen Inhalte oder Nutzungsweisen sind besonders ressourcenintensiv und wie kann man durch bewusste Entscheidungen Co Emissionen im digitalen Alltag reduzieren? E Mails hatten wir ja schon, aber vielleicht gibt es da ja noch ein paar andere Dinge.
Birgit Gündisch: Also durchaus. Und da gibt es auch so eine Grundregel, die besagt, dass Videocontent zum Beispiel viel ressourcenintensiver ist als Bildmaterial und das wiederum mehr Ressourcen verbraucht als eben Textinhalte. KI Nutzung steht natürlich weit über dem Ganzen. Also ich glaube, da braucht man nicht drüber sprechen, aber da habe ich tatsächlich auch mal eine aktuelle Zahl recherchiert, nur mal so eine Schätzung zu nennen. Also so circa 4,3 Gramm CO werden bei jeder Chatnachricht mit ChatGPT Verbrauch und das meiste eben durch dieses aufwendige Training von der KI. Was bedeutet, um sich das eben vorstellen zu können, dass 15 ChatGPT Anfragen quasi so viel CO emittieren, wie wenn man eine Stunde eines Films streamen würde. Und das fand ich schon hart. Und demnach ist es halt dann auch sehr viel Ressource verbrauchender, ChatGPT oder sämtliche KI zu nutzen, statt einer Google Recherche, die man durchführt.
Birgit Gündisch: Klar, man kommt vielleicht zu anderen Ergebnissen inzwischen, zu vielleicht besseren Ergebnissen, aber das einfach, um dafür zu sensibilisieren, wie viel Ressourcen da eigentlich verbraucht werden. Aber daraus wird eben auch schnell sichtbar, wie man Co Emissionen reduzieren kann. Also ich finde, man sollte zuallererst auch immer Brauche ich das jetzt wirklich? Also brauche ich das einerseits wirklich, um meine Message nach draußen zu bringen, wenn man jetzt auf das Thema Content Marketing beispielsweise schaut oder eben für interne Kommunikations und Arbeitsprozesse. Brauche ich jetzt wirklich die KI dafür, um das auszufüllen oder auszuüben? Oder kann ich das beispielsweise durch eine Google Recherche gleichermaßen hinbekommen? Weniger KI ist da die Devise, weniger Video auch gerne, auch wenn das natürlich absolut entgegen den aktuellen Trends geht. Aber auch da kann man, wie gesagt, immer Braucht es dieses Video tatsächlich, um eine Message rüberzubringen oder tut es da ein Text mit einem Bild eventuell genauso gut? Dann kann man natürlich ganz grundlegend auch darauf achten, dass man auf Grünstrom setzt, beispielsweise beim Webhoster, wo man sowas dann ja auch selber mitbestimmen kann, wohingegen eben KI da was schwieriger natürlich ist. Dann kann man darauf achten, du hast es vorhin angesprochen mit den E Mails und mit den Dateianhängen, dass man zum Beispiel Dateigrößen vor dem Upload oder vor dem Versenden eben reduzieren, aber natürlich auch nicht unbedingt dann als eine Rundmail verschickt an alle, die irgendwie nur grob daran beteiligt sind beispielsweise, sondern sich halt wirklich genau zu überlegen, wer braucht jetzt diese Information tatsächlich und das dann halt zu reduzieren. Dann habe ich es vorhin auch kurz angesprochen, Man kann zum Beispiel in Meetings die Kamera ausschalten, also gerade wenn es eher eine Präsentation ist, wo halt einer redet und viele zuhören. Das kann für den Redner dann schwierig sein manchmal.
Birgit Gündisch: Deswegen kann man da sicherlich auch so Kompromisslösungen finden. Zum Beispiel bei der Vorstellung hat jeder die Kamera an oder wenn er da halt was sprechen möchte, dann schaltet er auch wieder die Kamera an, weil das macht Halt doch irgendwie 64 Prozent Unterschied, also bzw. Es spart 64 Prozent an Energie ein, wenn du die Kamera ausschaltest. Übrigens ist da auch virtueller Hintergrund ist so ein anderes Thema. Das ist noch mal auch ressourcenintensiver als eben der natürliche Hintergrund, aber das nur am Rande. Oder man kann eben schauen, was habe ich denn eigentlich alles auf meiner Website drauf, weil oftmals sind wir auch schnell dabei, viele Inhalte viel an Content rauszubringen. Und da kann man wirklich mal gucken, okay, braucht es das wirklich? Was wird denn geklickt, Was wird gelesen? Was brauchen wir wirklich, um eben diesen Verkaufsprozess beispielsweise über die Website abzuwickeln Und da dann halt wirklich radikal ausmisten, sage ich mal, und hergehen und gucken, was kann ich reduzieren, wo kann ich es nutzerfreundlicher dann auch gleichzeitig machen, dass die Informationen schneller gefunden werden, die benötigt werden und wo kann ich dann zum Beispiel auch dort wieder Bild und Videogrössen für Websites reduzieren.
Steffi: Kannst du uns anhand eines Beispiels Schritt für Schritt erklären, wie die bestehende Content Strategie eines Unternehmens oder einer Organisation nachhaltiger gestaltet werden kann?
Birgit Gündisch: Also tatsächlich habe ich genau das ja dann auch in meiner Thesis entwickelt und da habe ich es halt für eine Agentur gemacht, die ganz generell Video Content erstellt, für verschiedene TV Spots beispielsweise. Und wie habe ich das da gemacht? Also ich habe mir tatsächlich erst auch angeschaut, okay, was haben die denn so an Emissionen und was kann man denn eigentlich dafür tun, um die zu reduzieren? Und daraufhin habe ich dann eine ganz konkrete, ja, ich habe es Roadmap to Content Sustainability auf Englisch genannt, also eine Roadmap entwickelt, wie man eben nachhaltiger werden kann mit seinen digitalen Inhalten. Da würde ich euch einfach mal die Schritte vorstellen, was ich da so entwickelt habe. Nämlich zuerst sollte es aus meiner Sicht starten damit, dass man überhaupt ein Bewusstsein für digitale Nachhaltigkeit schafft, wie ich heute auch schon so oft erwähnt habe. Das ist so ein bisschen die Basis für alles, weil sonst ist das Thema ja auch egal bzw. Gar nicht erst in den Köpfen der Menschen. Das kann man zum Beispiel tun damit, dass man eben so Werte aufzeigt, wie ich das am Anfang gemacht habe oder auch mit der KI Nutzung, was das eben für Emissionen bedeutet, einfach damit man das überhaupt in den Kopf reinbekommt. Dann, und auch das hatte ich schon erwähnt, ist das natürlich ein Change Prozess, der da vonstatten geht.
Birgit Gündisch: Das heißt, man muss dann schauen, wie man halt überhaupt alle am Content, an der Content Erstellung und an der Strategie auch beteiligten Menschen da mit ins Boot bekommt. Und da ist es aus meiner Sicht auch ganz wichtig, dass man sich deren Vorurteilen, Ängsten, was auch immer in Bezug auf, oh shit, ich muss da jetzt was ändern an meinem Prozess, dass man sich dessen halt annimmt und da überhaupt so ein bisschen die ganzen Prozesse, da auch die Veränderungsprozesse mit begleitet, dann ist es aus meiner Sicht wichtig, dass man überhaupt mal so einen Status quo festhält, also die aktuellen Emissionen durch Content Prozesse dann versucht zu schätzen oder durch die Internetnutzung, wenn man so möchte, ganz allgemein gesprochen und daraus dann eben so Ziel KPIs ableitet, also wie viel man eigentlich reduzieren kann und reduzieren möchte, auch realistischerweise, weil wir haben ja vorhin auch über das Thema Videocalls zum Beispiel gesprochen. Natürlich macht es nicht Sinn, wenn jeder immer seine Kamera ausschaltet, das ist Quatsch, weil sonst bräuchten wir das ja nicht, sonst könnte man zurück zum Telefon gehen. Aber trotzdem kann man da ja überlegen, wann macht es Sinn, dies zu tun und wann nicht. Als nächstes gilt es natürlich, wenn man den Status quo erfasst hat und das Ziel, wo man hin möchte, einen Plan, also eine Strategie tatsächlich für diese Zielerreichung abzuleiten und dafür eben seine Möglichkeiten auch zu evaluieren. Also zum Beispiel, was sind denn bei uns die Prozesse, die am meisten Co Emissionen ausstoßen? Da können es eben KI Nutzung in der Content Erstellung sein oder eben so was wie Video Calls, wo halt ständig zu viele Menschen auch drin sind, die zu wenig daran beteiligt sein müssten. Da gibt es ja verschiedenste Ansätze dafür. Und dann aus meiner Sicht als nächsten Schritt macht es dann Sinn, ein Audit durchzuführen, also von den bestehenden Prozessen und den bestehenden Inhalten und darauf einfach zu schauen, okay, was kann ich beispielsweise löschen, was kann ich archivieren und wo kann ich Inhalte in der Größe verkleinern, beispielsweise auf der Website oder auch die Vorlagen, die wir ständig nutzen für irgendwelche PowerPoint Präsentation oder dergleichen.
Birgit Gündisch: Und um das dann auch wirklich in Anführungsstrichen nachhaltig zu implementieren, braucht es aus meiner Sicht auch noch Richtlinien für nachhaltige Content Operations, also zum Beispiel, wo man dann Workflows definiert oder neu definiert, weil natürlich bestehen sie irgendwie, aber dass man halt diesen Faktor Nachhaltigkeit da eben auch in die bestehenden Workflows mit reinbringt. Und dann eben auch so was wie Richtlinien für wann ein Inhalt zum Beispiel wieder angeschaut wird. Und bewertet wird, ob er noch benötigt wird oder nicht. Da rede ich jetzt zum Beispiel auch von Inhalten, die irgendwann mal erstellt wurden, also keine Ahnung, PowerPoint Präsentation, bleiben wir mal gerade bei dem Beispiel, was halt dann nach zig Jahren eigentlich verjährt ist und nicht mehr verwendet wird. Oder im Beispiel dieser Agentur war es halt auch so, dass sie eben die Video Rohmaterialien, die sie halt bekommen hatten, für eigentlich unbegrenzte Zeitdauer für ihre Kunden aufbewahrt haben und das kostenlos by the way, wo man dann halt doch mal, wo sie dann auch selber auf die Idee gekommen sind, wir könnten uns das mal anschauen und könnten mal überlegen, gibt es denn wirklich den Fall, dass der Kunde nach zehn Jahren noch mal dieses Rohmaterial von diesem Video benötigt, um noch mal irgendwas damit zu tun. Das sind so Punkte, wo man dann eben Richtlinien für entwickeln kann oder eben auch für die interne Kommunikation, wie wir es vorhin aber auch schon angesprochen hatten. Und dann als letzten Punkt gilt es halt daraus dann Routinen zu entwickeln, dass man sich beispielsweise auch ständig, also da habe ich ein schönes Beispiel von gehört, wo man Digital Cleanup Days beispielsweise eingeführt hat im Unternehmen, sodass man halt regelmäßig einfach sich einen Zeitraum, einen Zeitpunkt dafür nimmt, eben diese Inhalte anzuschauen, diese Audits durchzuführen, zu gucken, okay, was können wir eigentlich besser machen und wie können wir eigentlich dazu beitragen, dass das Ganze ökologisch auch nachhaltiger gestaltet wird.
Steffi: Das muss ich mir merken, den Digital Clean Update, ich glaube, den kann ich ab und zu bei der Menge an Sachen, die ich auch immer rumschicke, auch gebrauchen, ist notiert, Wie können Unternehmen ihre internen Content Prozesse optimieren, um Datenmengen zu reduzieren und welche ersten Schritte helfen dabei, eine nachhaltigere Content Strategie zu entwickeln und umzusetzen.
Birgit Gündisch: Also grundlegend habe ich da ja schon einen Prozess vorher aufgezeigt. Was man jetzt hier noch so ein bisschen einzeln rausgreifen könnte, ist, dass es zentral ist, aus meiner Sicht zumindest, auch verschiedene Verantwortlichkeiten zu definieren. Also zum Beispiel, wer schaut denn vor der Veröffentlichung drauf auf einer Website beispielsweise, dass das Bild die perfekte Größe dafür hat und nicht zu groß und natürlich auch nicht zu klein ist. Da braucht es einfach halt Verantwortlichkeiten und Menschen, die sich dem halt annehmen oder die vielleicht auch zwischengeschaltet sind, dann noch mal und da speziell drauf achten. Dann kann man natürlich auch gucken, wie gesagt, wo halt die größten Einsparpotenziale überhaupt sind. Also was weiß ich, wenn ein Unternehmen nur eine super kleine Website hat, dann macht es vielleicht gar keinen Sinn, da anzusetzen, sondern dann kann man da bei der internen Kommunikation beispielsweise schauen oder bei der Ordnerstruktur oder sowas, wenn die Leute ihre Vorlagen nicht finden beispielsweise und kann sich da dann überlegen, okay, da kann man dann zum Beispiel so Naming Policies für schaffen, dass man Vorlagen immer gleich benennt und immer an den Orten abspeichert und dass man Ordnerstrukturen eben auch so schafft, dass Inhalte wiedergefunden und eher wiederverwendet auch werden, statt die dann immer neu zu kreieren. Also je nachdem, wo man da auch einfach steht, gibt es halt so ein paar Quick Wins beispielsweise oder was du vorhin auch kurz angesprochen hattest, PDF Anhänge beispielsweise, da kann man auch schauen, dass man die halt reduziert vor dem Versenden. Also das sind dann so kleine Möglichkeiten, mit denen man aber schnell was erreichen kann auch.
Birgit Gündisch: Und dann gibt es natürlich auch so Bereiche, die halt eher, oder so Maßnahmen, die dann eher in diesen Long Term Success quasi reinführen. Das ist dann beispielsweise das, was ich vorhin mit diesen Richtlinien für Archivierung oder für Löschung erzählt habe. Das ist jetzt normalerweise nicht so von jetzt auf gleich definiert, dass man da weiß, okay, wann mache ich denn eigentlich was? Oder dass man halt schaut, okay, wie kann man auf kurz oder lang dann eben so die Länge von Video Calls beispielsweise reduzieren und dann wirklich mehr noch auf den Punkt kommen. Wenn man sich über solche Themen, die halt dann für mehr ökologische Nachhaltigkeit sorgen im digitalen Bereich, wenn man sich darüber Gedanken macht, dann hat das oftmals eben auch andere Auswirkungen. Also es erreicht gleichzeitig andere Ziele, wenn man sich eben über so Nachhaltigkeitspunkte Gedanken macht. Zum Beispiel kann das sein, dass eben, wenn man die Website so reduziert, dass die Nutzer sich da besser zurechtfinden oder eben so strukturiert, dass Content einfacher gefunden wird. Das ist natürlich einerseits nachhaltiger, dort weniger Webseiten, Unterseiten quasi zu erstellen und andererseits wirkt das dann halt auch für die Usability und vielleicht auch für die Conversion Rates, die man mit der Website dort erzielt beispielsweise. Oder die Mitarbeiter sind weniger frustriert, wenn sie nicht so lange suchen müssen, wo eigentlich ein Content Piece liegt, weil man eben eine schöne Struktur dort gefunden hat für sich, über die eben auch alle Bescheid wissen und die eben auch alle idealerweise natürlich anwenden.
Birgit Gündisch: Oder man spart Kosten durch weniger benötigten Speicherplatz, wenn man eben das komplette Video Rohmaterial, was ich vorhin beschrieben habe, dann doch mal durchgeht und dementsprechend löscht oder beispielsweise auch E Mail Speicher. E Mail Speicher läuft regelmäßig voll irgendwo. Und da kann man natürlich auch dann schauen, was wird denn tatsächlich noch benötigt und beispielsweise im Rahmen eines sogenannten Digital Cleanup Days oder dergleichen eben mal aufräumen und mal gucken, okay, was kann ich denn tatsächlich rausschmeißen.
Steffi: Wir sehen also, Nachhaltigkeit ist nicht nur ein Vorteil, der dadurch entsteht, wenn man das Ganze sozusagen umsetzt, wie es Birgit gerade erklärt hat, sondern es gibt halt eben auch sehr, sehr viele andere Nachteile. Nachteile sage ich schon. Vorteile würde ich natürlich sagen, Vorteile, die dadurch entstehen, durch die Umsetzung, durch das Tun, durch das Überlegen und Reflektieren.
Birgit Gündisch: Genau. Und da komme ich dann wieder zum Anfang zurück, wo ich dieses Venn Diagramm erklärt habe mit den drei Bereichen, wo wir dann halt auch sehen, dass Nachhaltigkeit nicht nur für sich gedacht sein muss und nicht für sich wirken muss, sondern eben auch in Verbindung mit den Business Zielen und mit den Nutzer bzw. Kundenzielen.
Steffi: Schließt sich der Kreis. Ich danke dir für deine Zeit und deinen Input.
Birgit Gündisch: Vielen Dank für das Interview.
Steffi: Danke, dass ihr wieder eingeschaltet habt und ein ganz herzliches Dankeschön an Birgit Gündisch für diesen tiefgründigen und wunderbaren Blick auf nachhaltige Content Strategien. Wenn dich jetzt der Kopf raucht, keine Sorge, Digital Beacon und Co. Stehen schon in den Shownotes bereit und vielleicht habt ihr ja ja Lust bekommen, bei der nächsten E Mail auf das animierte GIF zu verzichten oder eurer Webseite mal einen kleinen Content Frühjahrsputz zu gönnen. Digital Cleanup Day anyone? Abonniert den Podcast, damit ihr keine Folge verpasst. Und wenn ihr Feedback fragen oder eure liebsten Co Sparhacks teilen möchtet, schreibt mir gerne oder kommentiert direkt unter der Folge. Bis zum nächsten Mal. Bleibt strategisch, denkt nachhaltig und rockt euren Content und zwar klimafreundlich. Content Strategy Rocks.
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